Das Taizé-Prinzip

Ich sitze in der S-Bahn, um nachhause zu fahren und bekomme eine E-Mail: Taizé benötigt ein Panoramafoto der Skyline vom Alexanderplatz (für das Jugendtreffen). Hier greift das Taizé-Prinzip zum ersten Mal:
Ich drehe einfach um und fahre ohne Plan zum Alex, um „mal zu gucken, wie man das hinbekommen“ könnte. Dann greift das Taizé-Prinzip zum zweiten Mal: Während ich auf dem Weg zum Alex bin, klingelt mein Telefon und Boris ruft an, ob ich mit ihm nicht die Alex-Skyline einfangen will. Wir treffen uns am Alex wo Boris bepackt mit seiner zweijährigen Tochter Anna-Elisabeth (im Tragerucksack) und einer riiiiesen Spiegelreflexkamera eintrifft. Meine Gedanken: Kamera: Super; Kind: Ob das gut ist für Klettertouren, aber wir werden das schon hinbekommen.

Nach nicht mal 20 Minuten finden wir in der Nähe vom Alexanderplatz ein Hochhaus mit lustigen 20 Stockwerken. Von hier aus muss das Beispielfoto aufgenommen worden sein. In demütiger Körperhaltung und Ansprache erkläre ich der Pfortenbeauftragten dieses Wohnhauses unser Anliegen beziehungsweise was „Taizé“ ist und frage sie dann, ob sie uns auf das Dach lassen könnte. Sie sagt uns, das ginge „ganz einfach“ mit einer schriftlichen Anfrage an die Hausverwaltung. Während wir uns kurz im Flur beratschlagen, kommt sie aus ihrer Pfortenloge und sagt: „Na, dann komm’se mal mit, wir machen das auf dem kurzen Weg.“ Noch während wir nach oben gehen, fällt mir ein, dass hier wohl zum dritten Mal das Taizé-Prinzip gegriffen hat: Boris und ich, also zwei Fremde mit Kameras die irgendwas fotografieren wollen; da wäre ich als Pförtner auch sehr skeptisch. Aber das Kind von Boris muss unser „Schlüssel“ gewesen sein. Also: wir haben das nicht trotz des Kindes sondern genau durch dieses Kind geschafft, welches seit gefühlten zehn Minuten am Stück im wieder „Fahrstuhl, Fahrstuhl“ sagt. Oben angekommen sehe ich nur wie Boris etwa 5 Minuten nichts mehr um sich wahrnimmt und höre das Schnurren seiner Spiegelreflexkamera. Dann schaut er mit leicht verklärtem Blick nach oben und sagt: „Ich bin glücklich, wir können“.

Ok, die uns so toll unterstützende Pfortenbeauftragte musste dann doch noch ein Foto von Boris, seiner lieben Tochter und mir machen.
Boris, Lieschen und Philipp

Nun, was ist das Taizé-Prinzip?
Für mich verbirgt sich dahinter: Ich beginne eine Arbeit strukturiert oder auch mal völlig Kopflos und gebe das Ganze in die Hände des Heiligen Geistes, damit er dann etwas wirklich Gutes daraus macht.
Ich wünsche uns allen und freue mich darauf, dass das ganze Jugendtreffen immer wieder vom „Taizé-Prinzip“ getragen wird.

Philipp Ploog